Abenteuer Amphore (Küp)

 

 

Abenteuer Amphore (Küp)                                             Güzelyurt  20.-21. Januar 2013

Küp ist der in Anatolien verwendete Begriff für ein Fass aus Ton. Wahrscheinlich ist das Wort verwandt  mit dem englischen Word „cup“ oder dem deutschen „Kübel“. Die großen Küps  wurden meist für Olivenöl oder Wein verwendet. Heute werden in der Türkei nur noch wenige große Küps hergestellt. Sie umfassen meist 150 bis 250 Liter, selten 500 und 1000 Liter.

Diese neuen Küps sind meist dünnwandig und entsprechend empfindlich. 

Für unsere traditionelle Weinproduktion in Güzelyurt/Kappadokien suche ich gute alte Wein-Küps. Byzantinische Küps oder Küps aus der frühen osmanischen Zeit sind dickwandig und stabil. Sie können frei stehen und müssen für die Weinproduktion nicht in den Boden eingelassen werden. Solche Küps sind inzwischen jedoch selten und auch nicht mehr billig.

Deshalb nahm ich nach einem Telefonanruf auch sofort den Nachtbus nach Tokat. Die Fahrt dauerte sieben Stunden zum Teil über tief verschneite, verwehte und vereiste Straßen der Sivas Hochebene.

Hasan Bey erwartete mich in Tokat. Er hatte in dem nahegelegenen Dorf Üzümlü (Üsüm = Trauben) in einem Hausgarten einen großen Küp gefunden.  Früher hieß das Dorf Dimorta und war bis 1924 von einer griechisch sprechenden Gemeinde bewohnt. Der Küp hatte im Garten, unter dem Vordach eines Schuppens zu einem kleinen Teil im Boden gestanden und war zuerst für Wein, in den letzten Jahren für Wasser benutzt worden. Jetzt war Haus und Garten von einer Mauer umgeben.

 

Nach längeren Verhandlungen und Diskussionen war der geschäftliche Teil beendet. Hasan Bey begann mit der Suche nach helfenden Händen und einem geeigneten Transportfahrzeug. Das zog sich bis zum Abend hin.

Die Helfer begannen mit dem Abriss eines Teils der Gartenmauer.

  

 

Dann rollten sie langsam den 2,50 Meter großen Küp aus dem Garten, über Hölzer und Steine durch das Mauerloch bis auf die Straße. Das dauerte etwa eine Stunde.

 

 

Einige Meter vom Haus entfernt wartete der LKW an einer Böschung. Hier war es leichter den Küp auf die Ladefläche zu bugsieren. Das dauerte etwas mehr als eine Stunde, dann war er drin und wurde festgebunden.

Murat, der Fahrer, kommt aus Erzurum. Die nächtliche Fahrt über Schnee, Eis, sehr schlechten, im Umbau befindlichen Landstraßen, schien für ihn zum Alltäglichen zu gehören. Doch als wir dann nach 10 Stunden endlich Güzelyurt erreicht hatten, schlief er sofort am Lenkrad ein. 

In Güzelyurt ist der Montag der Markttag. Dann sind viele Leute auch aus den umgebenden Dörfern in de Stadt. Deshalb war es für mich leicht 6 Männer für das Abladen des Küps zu finden.    

Die "Gelveri Manufactur" ist in der Altstadt und die hat nur kleine, enge Gassen.

 Zum Ausladen war eine dicke Lage Schnee noch recht hilfreich, doch dann wurde es schwieriger.

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Über Kissen und Holzplanken rollten wir langsam den Küp in unsere Hausgasse.

 

Auf der Hälfte der Strecke ist die Gasse jedoch nur etwa 2 Meter breit. Jetzt konnte der Küp nicht mehr gerollt, sondern musste wie ein Wahlfisch auf dem Trockenen gezogen werden. Mit leichten Schwenken nach links und rechts und mit Ziehen und Schieben schafften wir  Zentimeter für Zentimeter.

Da jeder der 6 Männer eine eigene Meinung über die beste Methode hatte, dauerte jede Entscheidungsfindung oft länger als die jeweilige Arbeitsphase.

 

 

 

   

                                                                              

 Die hohe Schwelle des Hoftors war eine weitere Herausforderung.      

                                                

Es war später Nachmittag als der Küp endlich in unserem Arbeitshof vertäut wurde.

 

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Noch schnell ein Foto mit Siegerpose und dann endlich schlafen.

 

 

Abenteuer Teil 2

 

   Am nächsten Morgen versuchen wir mit sieben Personen den Küp aufzustellen.

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Langsam anheben ....

  

Mit Steinen und Kissen unterfüllen ....

Er rutscht nach links und rollt nach rechts, dann steht der Küp auf 45° .... und wir ratlos daneben.

 

  Verschnaufpause, Denkpause

 

 Am späten Nachmittag versuchen wir es mit einer Winsch, die zuerst bruchsicher in der Wand befestigt wird. Der Küp rutscht jedoch immer wieder zur Wand und kann nicht aufgerichtet werden, weil der Bauch des Küps im Wege ist. Wir verschieben das Aufstellen auf den nächsten Tag.

 

Am Vormittag bauen wir mit Steinen ein Widerlager auf den Boden, damit der Küp nicht wieder an die Wand rutschen kann.

 

 Hochziehen und mit Balken stützen, Versuch den Küp gerade zu stellen

 Jetzt scheint es zu klappen

 Dann rutscht der Küp nach hinten ......

 

...... und schließlich von dort nach rechts .......

...... und dann steht er fast gerade. Festhalten und schnell Steine zum Festsetzen zusammen schieben.

 

Den Streit der entsteht als ich noch darum bitte den Küp mit seiner Öffnung genau waagerecht zu stellen, zeige ich hier nicht .... nur das Foto als der Küp wirklich in der Waage steht.

 

Und so sieht der Küp nach einer sorgfältigen Restauration aus. 

Jetzt kann das 2000 Liter Tongefaess benutzt werden.

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